Abschlussbericht

Meinen Abschlussbericht und ein paar Fotos zu unserer Arbeit konnt ihr hier finden.

Ein Jahr voller Extreme

Einen abschließenden Einblick in meine Erfahrungen als Freiwillige in Peru zu geben, der diesem Jahr gerecht werden könnte scheint mir unmöglich, trotzdem werde ich versuchen ein wenig darüber zu berichten. Während ich mich das erste halbe Jahr sehr schwer mit meiner Rolle im Projekt getan habe, so habe ich sie in den weiteren Monaten nur umso mehr genossen. Wir wurden am Anfang wirklich ins kalte Wasser geworfen, hatten kaum Anleitung und die Betreuung in diesem Projekt ist auch definitiv ausbaufähig. So mussten wir uns alle erst einmal an unsere Arbeit hier annähern und viel, viel Geduld beweisen – oder in manchen Fällen erst gewinnen. Es schien als würde sich unsere Kreativität in der Bibliothek erschöpfen und es war zugegebenermaßen wirklich anstrengend immer ein Spiel/ Bastelprojekt vorzubereiten. Den ganzen Tag auf einmal Spanisch zu sprechen und wirklich jeden Tag etwas Neues zu lernen ist zwar schön, kann jedoch schnell zu einer Reizüberflutung führen und da hat Piuras ewige Hitze den Rest getan. Und doch hatte es auch alles seine schöne Seite. Wir haben die Kinder unglaublich lieb gewonnen und alle ein kleines Tränchen verdrückt als unsere 6. Klasse die Grundschule verlassen hat. Und genauso haben wir es genossen wenn wir einen sehr guten Tag in der Schule hatten und die Kinder in den Himmel loben konnten, wenn jemand Geburtstag hatte, Lieder gesungen wurden oder zu Weihnachten eine große Geschenkeverteilung anstand.

Die langen Sommerferien haben wir hauptsächlich reisend verbracht aber im Februar habe ich die Arbeit in der Bibliothek wieder aufgenommen um den Kindern eine Beschäftigung in den Ferien zu geben. Und auf einmal war alles anders: Ich habe mich riesig gefreut die Kinder zu sehen, kleine Bastelprojekte vorzubereiten oder einfach mal eine Runde Kinderschminken zu machen. Die Bibliothek hat hier wirklich eine riesige Auswahl an Materialien, sodass wir die Bastelarbeiten und Spielzeiten unglaublich abwechslungsreich gestalten konnten. Die ganze Atmosphäre in der Bibliothek hat sich für mich geändert, ich habe mich viel willkommener gefühlt und hoffe, dass die Kinder das auch so empfinden. Dann wurde unsere Arbeit leider durch El Nino für lange Zeit unterbrochen und man wusste nicht so richtig was mit sich anzufangen, Piura war fast komplett isoliert und nur per Flugzeug zu erreichen.

Aber auch diese Zeit haben wir irgendwie durchgestanden und als dann die Schule von Neuem losging habe ich einfach alles nur noch genossen: Wir haben einen besseren Weg zum Unterrichten gefunden und sind,wenn etwas nicht geklappt hat, viel gelassener geworden. Wir konnten noch viel von Altos kennenlernen und uns beim Community Development engagieren, indem wir Bedürftige Menschen besucht, ihren Fall analysiert haben und somit finanzielle Hilfe durch die Organisation für z.B. Rollstühle, Gehilfe, Medikamente etc. erhalten konnten. In der Bibliothek hat sich besonders etwas getan: die Anzahl der Kinder die kommen hat sich verdoppelt oder sogar verdreifacht! Für meine Bastelaufgaben und Gruppenspiele durfte ich den hinteren (jetzt aufgeräumten und eingerichteten Raum mit Licht) nutzen und bin in meiner Aufgabe komplett aufgegangen, sodass wir zum Teil sogar immer ein bisschen länger geblieben sind und immer ein bisschen mehr vorbereitet haben. Die Kinder haben bestimmt viele wundervolle Stunden voll Spiel und Spaß  erlebt und die Nachmittage, die wir keine Luft mehr vor Lachen bekommen haben werde ich nie vergessen. Der Abschied von den Kindern ist mir unglaublich schwer gefallen, ich habe den Ort Altos und die Kinder einfach unglaublich lieb gewonnen und endlich das Gefühl bekommen etwas Sinnvolles zu machen. Etwas, was das Leben dieser Kinder, die so wenig haben und so viel von sich geben, auf positive Art und Weise beeinflusst. Ich habe anfangs ein wenig am Nutzen meines Dienstes gezweifelt, weil man da noch keine Wertschätzung erhalten hat. Aber die Briefe der Kinder zu lesen, die dankenden Worte der Lehrer und Eltern zu hören, da wird einem nochmals bewusst was für eine Rolle man tatsächlich in dieser Gemeinschaft spielt, die einem die Türen zu ihrer Sprache und Kultur geöffnet hat. In diesem Jahr habe ich viel gelernt, über ein wundervolles Land, über mich selbst und was es heißt einen Freiwilligendienst zu leisten. Ich hoffe, dass die Menschen in Altos und besonders unsere Betreuerin Ines wissen, wie sehr ich diese Zeit schätze und dass nicht nur ich eine Hilfe geleistet habe, sondern auch sie mir als Person unglaublich weitergeholfen haben.

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AYNI Newsletter

Zum Ende unseres Freiwilligendienstes durfte ich einen kleinen Beitrag für den AYNI Newsletter schreiben, ein paar Sätze und nur sehr oberflächlich aber ich dachte, ich lasse das mal da:

 

Our 11 months with AYNI have been a wonderful experience, time flies since we have fully grown into our respective jobs in the project.
After 12 years of being students ourselves it has been an interesting and at times challenging experience to be in the teaching position, we still keep learning with every day we go out to Altos.
At this point I am overwhelmed with what we have achieved in our time here: more and more children come o the library and my love and compassion for them grows with every day. Now that this experience is coming to an end I want to thank AYNI for letting me be part of it and for creating such a warm and loving environment for both the village and the volunteers

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MEXIKO

Mexiko, was für ein Abenteuer! Wir sind spätabends in Cancun angekommen und hatten keinen Cent in die mexikanische Währung Pesos gewechselt, mit dem Plan dort einfach Geld abzuheben. Es hat jedoch einfach kein einziger Automat funktioniert, sodass unser Taxifahrer uns ersteinmal zu einer Bank bringen musste, bevor wir zur Unterkunft konnten. Diese hat sich dann als eher zwielichtige Angelegenheit herausgestellt, was für ein Abenteuer. Am nächsten Tag ging es dann auf die schier ewig dauernde Busfahrt bis fast ganz an die Grenze zu Belize: wir durften endlich Anahi (ehemalige Austauschschülerin im Hause Albers)in Chetumal wiedersehen! Wir wurden herzlich mit Deutschlandfahne und plakat empfangen und sofort bekocht und in die mexikanische Küche eingeführt. Abends wurde noch sofort ein Spaziergang durch das wunderschöne Chetumal eingelegt und wir haben Anahis Freunde kennengelernt. Über die kommenden Tage waren wir im Maya Museum, haben einen Tagesausflug nach Belize, Bacalar und Mahahual gemacht und haben es uns einfach gut gehen lassen.

Hier eine Liste der unglaublich leckeren Spezialitäten die Mexiko zu bieten hat:

• Marquesitas

• Esquite

• Machacado

• Raspados

• Empanadas

• Nachooooos

• Tacos ( ich glaube ich habe 5 auf einmal gegessen)

• Quesadillas (der Klassiker, den Anahi auch bei uns in Deutschland zubereitet hat)

• Salbute (unglaublich lecker, frisch von Anahis Oma!)

• Michelada (seeehr scharfes Bier)

•Pan de Bom (aus Belize)

 

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Und dann durfte Imke auch noch für einen sehr kurze Tag meine Gastfamilie in Lima kennenlernen… und hat sich sponti auch ein Tattoo gemacht:

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Kolumbien

Die Ausreise aus Eucador war entgegen unserer Erwartungen super easy, organisiert und schnell, im Endeffekt hat uns das aber nichts gebracht, da wir auf der kolumbianischen Seite gute 3,5 Stunden für unsere Einreise warten mussten. Alles lief irgendwie super chaotisch ab, niemand konnte die malaysischen Pässe unserer Mitreisenden lesen und auch für uns war es alles andere als einfach zu erklären, dass wir wirklich nur kurz im Land bleiben und warum 2 junge Frauen alleine reisen. Als dass dann geschafft war sind wir weiter nach Ipiales gefahren um dort den Nachtbus nach Cali zu nehmen. Von dem kleinen Ort haben wir leider nur die Kirche gesehen, dafür aber ein paar nette Leute kennengelernt.

CALI:

In Cali sind wir frühmorgens ziemlich gerädert angekommen und gleich erstmal den ersten Schock verdaut: das fließend Wasser in der Stadt wird ab 17 Uhr abgestellt, unser Bus nach Bogota sollte aber erst um 23:30 Uhr fahren. Haben wir aber trotzdem irgendwie gemeistert. In Cali haben wir wunderschöne Streetart gesehen, sowohl an Brücken /Einkaufszentren als auch einfach an privaten Gebäuden. Imke und ich sind ein wenig durch den den Park geschlendert, bevor wir dann vor dem Regen in einem Einkaufszentrum (wenn man das so nennen kann, eigentlich war alles zu) Zuflucht gesucht haben.  Das wäre aber nciht notwendig gewesen: es war wunderschön warmer Sommerregen, der uns mit gleich 2 Regenbögen überraschte, so schnell wie er kam war er dann auch wieder gegangen. Also sind wir irgendwann dann wieder zurück zum Busterminal gelaufen, um mit seeeehr viel Verspätung nach Bogota aufzubrechen. Das war eindeutig eine der schlimmsten Busfahrten meines Lebens, es war so unglaublich kalt, besonders auf meiner Fensterseite schien es, als würde ich mit 3 Grad kalter Luft angepustet werden. Irgendwann hatten wir alle Jacken/ Schals/ Hosen an und es war immernoch verdammt kalt, ich hatte schon fest mit einer hartnäckigen Erkältung in Bogota gerechnet, diese ist dann aber glücklicherweise ausgeblieben.

 

BOGOTA

Dieses Mal kamen wir zum Glück zu einer etwas praktischeren Zeit an unserem Ziel an: Bogota, die Hauptstadt Kolumbiens. Leider haben wir die Tage hier mit eher schlechtem Wetter und damit auch weniger Motivation verbracht, das Wichtigste haben wir jedoch auf jeden Fall gesehen und wenn es dann mal etwas unschöner war hatte unser Hotel (dieses Mal haben wir uns etwas Schöneres gegönnt) mit E! und vielen anderen Sendern aufwarten können. Direkt bei uns um die Ecke war ein wunderschöner Park, das Planetarium und das Nationalmuseum, also eine super Location um die Sightseeingtour zu starten. Einen kurzen Fußmarsch weiter lag dann auch die Bogota Beer Company und einige nette Restaurants bei denen wir uns natürlich auch durchprobieren mussten. Das komische an dieser riesen Stadt war, dass Supermärkte oder kleinere Geschäfte einfach nirgends zu finden waren. Wir haben wirklich ewig suchen müssen um überhaupt irgendwo Wasser herzubekommen, wurden dann aber auch mit frischen Erdbeeren belohnt also werde ich mich mal nicht beschweren. Die Zeit in Bogota schien sehr schnell zu vergehen, auch wenn das Wetter es leider nicht zugelassen hat viele schöne Fotos zu bekommen. Am 15. Januar haben wir dann endgültig unsere Sachen gepackt und sind in den Flieger Richtung Sonne (CANCUN / MEXICO) gestiegen.

Ecuador

Am 3. Januar habe ich nach 5 Monaten in Piura zum ersten Mal „Hasta luego“ sagen dürfen, wenn auch nur für 3 Wochen. Für Imke und mich ging es nämlich auf die große Reise Ecuador- Kolumbien – Mexiko. In diesem Post möchte ich ein wenig über unseren Aufenthalt in Ecuador schreiben.

Wir sind mittags mit dem Bus in Piura gestartet und wussten sofort, warum es Backpacks gibt: weil es ein pain in the a** ist, mit zwei großen Rollkoffern zu reisen, aber na gut, wir haben das so gewollt. Nach gut 5 Stunden hatten wir den Grenzübergang „Macara“in den Bergen erreicht, die Ausreise aus Peru sollte sich aber äußerst interessant gestalten, da das Internet nur alle halbe Stunde für ein paar Minuten funktionierte (ob das jeden Tag so ist?). Einmal über die Grenze war es dann aber eine super entspannte Weiterfahrt, auf der wir auch unsere zukünftige Mitreisende Freya aus China kennenlernen sollten.

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LOJA:

Spätabends sind wir also in Loja angekommen und erstmal müde in unsere Betten gefallen. Am nächsten Tag sind wir früh raus um die Stadt zu sehen und um eine Wanderung durch den Podocarpus Park zu machen, Imkes Beinverletzung hat Letzteres leider nicht zugelassen, so konnten wir aber umsomehr von Loja sehen: Plaza de Armas, Museo de Loja, wo ich zum ersten Mal in 5 Monaten wieder Klavier spielen konnte (wenn auch eher schlecht als recht), sämtliche Kirchen, die Loja zu bieten hat, eine kleine Grafitti Tour, den Markt (hat sich total gelohnt, wer Interesse an Kunsthandwerk und wunderbar frischem Obst und Gemüse hat, wir sind sogar am nächsten Tag gleich nochmal hin) und die historische Stadtmauer, die einen unglaublich an Rapunzel erinnert (fast die ganze Struktur ist begehbar, inklusive Seitentürmchen und dem großen Glockenturm).

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CUENCA:

Weiter ging es mit dem Bus nach Cuenca, auch eine wunderschöne Andenstadt, die Freya , Imke und ich alle als den schönsten Stopp unserer Reise auserkoren haben. Das Hostel das wir rausgesucht hatten war der absolute Hammer (Check INN B&B), schön hell und geräumig mit tollen Gemeinschaftsräumen/ Küche. Noch abends habe wir uns auf Erkundungstour begeben und durften bei Nacht die wunderschön angeleuchteten Kirchen und Kathedralen bewundern. Kein Spaß, das war einer der schönsten und friedlichsten Orte, die ich hier in Südamerika sehen durfte. Am nächsten Tag haben wir dann die Museen „Remigio Crespo Toral“ und „Museo Pumapungo“ besucht. Im Pumapungo gab es viel viel mehr zu sehen, als wir tatsächlich mit unserer begrenzten Zeit sehen konnten, ich war restlos von der Ausstellung über die ethnische Zusammensetzung Ecuadors begeistert, aber auch der zugehörige Park mit seinen Ruinen, Tieren und kleinem botanischen Garten fasziniert. Das tolle daran: das ganze Museum ist gratis! Bei der obligatorischen Empanda danach haben wir dann zufällig unseren venezolanischen Hostelbesitzer getroffen, der uns noch mit der Geschichte Cuencas/ Venezuelas nachhaltig beeindrucken konnte, viele hilfreiche Reisetipps geben konnte und uns dann auch noch zu einem etwas abgelegeneren, unbekannteren und somit günstigeren Markt gebracht hat. So ist Imke also an ihren eigenen Alpaka Schal gekommen 🙂 Später haben wir uns die Kathedrale Cuencas auch noch von Innen angesehen (unglaublich protzig sodass es wehtut, die Leute draußen vor der Tür betteln zu sehen, wenn im Kirchenschiff 17 Flachbildfernseher mit Luxus-Soundsystem hängen)… und für den Eintritt wird auch noch Geld verlangt, also das dann lieber das nächste Mal nicht machen. Dem wunderschönen Blumenmarkt konnten wir dann auch noch einen Besuch abstatten, ich konnte mich fast gar nicht mehr losreißen, so sehr hat mir der kleine Markt gefallen. Aber man musste ja den Nachtbus nach Quito bekommen also habe ich es wohl doch irgendwie geschafft 😉

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QUITO:

Am nächsten Tag sind wir also morgens früh in Quito, der Hauptstadt Ecuadors angekommen. Vollkommen unausgeschlafen und ohne Orientierung haben wir dann doch irgendwie unser Hostel gefunden… um dann erstmal gute 2 Stunden warten zu dürfen, weil unser Zimmer irgendwie nicht verfügbar war und das andere Zimmer erst hergerichtet werden musste. Also wurde der erste Tag ein wenig später gestartet. Wir haben das Convento Santo Domingo, die Iglesia de la Compania de Jesus, Plaza de la Independencia und den Palacio de Carandolet besucht, wobei leider alles ein bisschen zu voll für schöne Fotos war (vielleicht weil es Wochenende war), was aber all das getoppt hat war die Aussicht bei „el Panecillo“. Auf 3.100 Metern kann man einen unglaublichen Blick auf Quito genießen (welches sich über 48km erstreckt, also man sieht schon ganz schön was:), die Madonnen-Statue an sich ist auch einfach ein wahrhaftes Kunststück und ziemlich mächtig wenn man direkt daneben steht, von unten wird sie nachts angeleuchtet, was mit ein bisschen Nebel wirklich atemberaubend aussieht. Am nächsten Tag haben Imke und ich uns mit einem Rotary-Austauschschüler getroffen und sind die Türme der Basilica del Voto Nacional hochgeklettert… ein gewagtes Unterfangen, tatsächlich sind hier die Sicherheitsbestimmungen ein wenig lockerer als in Deutschland, sodass Sicherheitsgitter in 115 Metern Höhe etwas Optionales sind und es ständig zur Überfüllung der sowieso schon schmalen Treppen und Leitern kommt. Später haben wir im Park El Ejido die Sonne genossen und sind nochmal über einen der vielen Artesania Märkte gelaufen (Imke und ich können einfach die Finger nicht von Souvenirs lassen). Am nächsten Tag stand La Mitad del Mundo, die Mitte der Welt auf dem Plan. Direkt morgens auf dem Weg haben wir 3 Brasilianer kennengelernt, mit denen wir den Tag verbracht haben, einfach wunderbar unkomplizierte und lebensfrohe Menschen, die diese Reise besonders bereichert haben. Also haben wir mit den 3 Spaßvögeln einen Sonnenbrand gefangen und beim rumblödeln ein paar dumme Wetten abgeschlossen, die noch ein Nachspiel haben sollten. Am nächsten Tag musste wir auch schon Abschied nehmen, da wir über Tulcan/ Ipiales nach Kolumbien einreisen wollten, die Jungs jedoch direkt nach Bogotá mussten.

Das war es jetzt erst einmal aus Ecuador, die nächsten Posts über die Reise kommen bald, pinky promise!

Porque Ecuador verdaderamente ama la vida.

– Unknown

 

English summary:

3-01-2017 was the day I had to say „hasta luego Piura“ for the first time, even if it was just for 3 weeks. Imke and I started our journey through Ecuador – Colombia – Mexico and as soon as we got to the bus we knew it was going to be a pain in the a** to travel with 2 big suitcases… apparently there’s a reason backpacks exist 😉 Crossing the border was not as easy as expected because the Peruvian side only had internet acces every 30 minutes or so. We eventually made it to Loja late at night and went straight to bed. The next da was full of sightseeing and unfortunately we were not able to go on our hike due to Imke’s injury. But we saw basically every church there is, the Old Town’s wall and went to an amazing museum where I got to play the piano after 5 months. Next stop was Cuenca, an amazing city and by far my favorite place in Ecuador! We went to the Mueso Remigio Crespo Toral and the Museo Pumapungo which surprised and amazed us with an exhibition on ethnic diversity in Ecuador, ruins, a nice park with animals and a botanic garden. The best thing about it? It was completely free. Our hostel owner later took us to a little hidden market where we got our souvenirs way cheaper than on regular markets. Our little night tour through Cuenca was one of the most beautiful things, seeing the cathedrals / monuments and parks lit up so beautifully… one of the most peaceful and beautiful places I’ve seen yet. Our last stop in Ecuador was Quito, the capital. Once we got there after 12 hours on a bus without oxigen we were quite dead, but not dead enough to not start sightseeing right away, we saw most of the Old Town, churches, cathedrals, palaces but what was really worth it’s money was the mirador at El Panecillo at 3.100 meters above sea level. You have an amazing amazing amazing view over Quito and the Madonna statue is pretty majestic, a work of art! So the next day we met up with a former exchange student to do the other part of the city and just hang out in Parque El Eijido, talking about exchange and travelling… Oh how I love RYE people, y’all are awesome!! On our last day in Quito we went to Mitad del Mundo, which was pretty impressive! We met three Brazilian boys on our way there and spend the day with them, probably the funniest and most spontanious people I’ve met so far (I missss you guys, come to Germany if you read this 😉 ). So it’s safe to say we had a lot of fun, good food and met interesting, lovely and funny people. Until next time Ecuador!

Fiesta de Promoción

Im Dezember mussten wir uns leider von unserer 6. Klasse verabschieden, die die Grundschule erfolgreich hinter sich gebracht hat und jetzt den Weg in die „Secundaria“ antritt. Alle Freiwilligen waren dazu zur Fiesta de Promoción eingeladen, ein wirklich schön gestalteter Tag mit Reden, viel zu lauter Musik und natürlich gaaaaanz viel Essen. Während wir Deutschen uns schon gut 40 Minuten verspätet haben, ließen die Peruaner nur umso länger auf sich warten. Als wir ankamen waren sage und schreibe 5 Kinder da, die Party die für 13 Uhr angesetzt war sollte also nicht vor 15 Uhr beginnen 😉 Als dann endlich die ganze Klasse mit einigen Eltern eingetrudelt war, hatte ich schon gefühlt 3 Hitzeschocks hinter mir, nein wirklich es ist gerade einfach wirklich zu warm für mich. Nacheinander haben die Schüler dann ihre Geschenke erhalten, Fotos mit den Lehrern und der Direktorin gemacht (wir durften natürlich auch ein paar Mal durchs Foto springen) und viele motivierende, bewegende und teils auch traurige Reden wurden gehalten, über Abschied und über Neuanfang … etwas, dass mir spätestens in 5 Monaten selbst blühen wird.

Später wurde die Torte angeschnitten (ein Sahne-Traum, der Diabetes schreit)…. und fiel prompt zu Boden. Das hat aber irgendwie niemanden davon abgehalten das gute Ding doch noch zu essen. Und dann durften wir unser Rhythmus-Gefühl unter Beweis stellen: Die Tanzfläche wurde eröffnet und zuerst durften wir mit unseren Schülern ein bisschen Paartanz genießen, später wurde dann doch Cumbia und Bachata aufgelegt. Zu dem Zeitpunkt war ich schon ziemlich geschafft von der Sonne und konnte also nicht schnell genug in Deckung gehen, als eine Gruppe Väter uns zum Tanzen aufforderte. Also wurde ich als Einzige wieder zurück auf die Tanzfläche entführt und durfte (erfolglos) versuchen mit den schnellen Tanzschritten hinterher zu kommen.

Ich werde meine süßen Schüler unglaublich vermissen, ich hoffe sie haben mit uns einiges gelernt und vorallem viel Spaß gehabt und freue mich schon auf das nächste Schuljahr mit neuen Klassen.

Eine neue Arbeitsroutine

In den 3 erfolgreichen Monaten des Unterrichtens hat sich mittlerweile viel geändert und ich möchte euch einfach mal ein Update über unsere Arbeitsweise geben. Wir selbst lernen ja auch mit jedem Tag mehr über die Kinder und unsere Arbeit als Englischlehrer. Im Moment arbeiten wir in 2er Teams (Sophia und Fabian, Lara und Romy). Das hat den Vorteil, dass man tatsächlich mal eine richtige Stunde halten kann und die Kinder nicht verwirrt sind, weil alle 4 Freiwilligen etwas anderes sagen. Wir können also viel intensiver mit den Klassen arbeiten, weil wir durch die freien Tage zusätzliche Vorbereitungszeit haben.

Ich bin mit dieser Lösung gerade sehr zufrieden, zumal die Kinder wirklich ruhiger geworden sind/ weniger durch die anderen abgelenkt sind und man auch gerne mal einen freien Tag mit Freunden in Piura verbringt. Diese Verbesserung, die ich wahrnehme geht Hand in Hand mit meiner neuen, viel gelasseneren Einstellung einher. Mittlerweile kennen wir den Schwierigkeitsgrad und die Englischkenntnisse der verschiedenen Klassen sehr gut und ich werde immer geduldiger mit den Kindern / mir selbst. Inzwischen wiederholen wir wichtige Dinge oft genug, sodass die Kinder darauf tatsächlich achten und wir nicht völlig frustriert auf ein vollkommen zerschnittenes Arbeitsblatt blicken. Ich hatte keine Ahnung wie wichtig es ist, Arbeitsanweisungen nicht nur vor der Klasse zu wiederholen und die Klasse das ganze nachsprechen lassen, sondern auch in verschiedene Sätze zu verpacken / zu variieren, sodass die Schüler eine Denkleistung erbringen müssen anstatt einen Schwall Anweisungen über sich ergehen lassen. Außerdem bauen wir gerne mal Pausen ein um mit den Kindern zu scherzen, sie zum entspannen etwas malen lassen oder einfach mal ein paar schöne Erinnerungsfotos zu schießen. Die Kinder hier sind von den süßen Snapchat-Filtern total verzückt, das ist wirklich eine entspannte Beschäftigung, da jedes Foto eindringlich unter den Schülern diskutiert wird. Etwas erheitert bin ich nur über die Tatsache, dass die Kinder auf den Fotos nicht lächeln würden, wenn ich ihnen nicht 2 Sekunden davor sage „una sonrisa con dientes porfavor“ (beim Lächeln die Zähne zeigen), also schauen sie meist eher todtraurig als fröhlich 😉

Einen großen Fortschritt haben wir außerdem bei den Unterrichtsinhalten gemacht, während wir anfangs noch wahllos Themen pro Woche ausgesucht haben, so machen wir jetzt Stunde für Stunde Wortfelder, die aufeinander aufbauen und dadurch einfach zu wiederholen sind. Wiederholung ist hier der key to succes, wenn die Kinder etwas behalten sollen dann muss es in regelmäßigen Abständen und in verschiedenen Formen (Basteln, Lieder, Geschichten etc.) wiederholt werden, sonst war der Spaß umsonst.

In der Bibliothek haben wir auch ein paar Dinge umgestellt: Weder das Spielen noch das Basteln ist verpflichtend, die Kinder dürfen sich in kleineren Gruppen selbst beschäftigen. Am Anfang wird gemeinsam ein Buch gelesen, sodass die Kinder nicht mehr gelangweilt durch eine Lektüre durchsitzen müssen. Jeder kommt mal zum Zug und man kann die schönen Illustrationen viel besser zeigen. Insgesamt fühle ich mich einfach viel weniger gestresst und müde nach der Arbeit und habe mittlerweile eine engere Beziehung zu den Kindern aufgebaut. Wir lachen viel mehr und wenn mal ein Spritzer Farbe daneben geht, dann ist das viel mehr eine schöne Erinnerung als ein nerviger Fleck. Es ist besonders schön, diese Entwicklung auch bei den Kindern zu sehen, die gerne kommen und sich einfach mal eine Umarmung abholen oder kuscheln. Wenn die Kinder dann Freitags mal tatsächlich die vollen 2 Stunden ruhig sind und gespannt den Film anschauen, um ihn später untereinander zu diskutieren, freue ich mich besonders, ihnen einen interessanten und lehrreichen Nachmittag ermöglicht zu haben. Diese kindliche Beigeisterung ist einfach etwas wunderschönes und ich freue mich genau an diesem Punkt in meinem Freiwilligendienst angekommen zu sein. Dieser Punkt der gegenseitigen Wertschätzung, die wir von den Kindern mehr und mehr entgegengebracht bekommen.

So jetzt ist aber auch mal genug mit meinem emotionalen Anfall, ich hoffe ihr habt es noch bis hier unten geschafft 😉

Liebe Grüße und ein paar schöne letzte Novembertage! xx

Man muss auf seinen eigenen Wert stolz sein und den der anderen achten können.

– Sully Prudhomme

Am Sonntag kommt mich übrigens meine Schwester Imke besuchen. Sie wird meine Arbeit im Projekt und Piura, die Stadt, die jetzt ein weiteres Zuhause für mich ist, kennenlernen und mit mir über Januar verreisen. Ich freue mich schon unglaublich darauf!

Hier jetzt noch ein paar Bilder von den Süßen 🙂

LIMA II

Wie der Titel es schon erahnen lässt, habe ich es nochmal nach Lima geschafft. Dieses Mal mit Verstärkung und aus einem dringenderen Anlass: Fabian, Sophia und ich mussten der Deutschen Botschaft in Lima einen Besuch abstatten, um unser richtiges Visa zu erhalten. Außerdem war Lara noch dabei und hat mit uns einige Tage Urlaub in der Hauptstadt genossen.

Aber wie ich das schon von Peru kenne, ist jede Reise mit ein paar Stolpersteinchen versehen. Es fing bereits damit an, dass wir zwar ein Ticket für die 16-Stunden Bushinfahrt, jedoch kein Rückfahrtticket kaufen konnten. Wir wurden darauf vertröstet, unsere Tickets einfach am Schalter in Lima abzuholen. Dort wusste jedoch niemand von den reservierten Tickets und auf einmal sollten wir auch 30 Soles mehr zahlen. Wer die unausgeschlafene und genervte Romy kennt, kann sich vorstellen wie wenig Geduld ich an dem Morgen um 7:45 Uhr hatte. Also wurde kurz ein Aufstand vor dem Schalter geprobt, bis wir unsere Tickets zu einem vernünftigen Preis erhalten haben. Eskalieren auf Spanisch? –  Kann ich! Aber all das ist nunmal Peru: Leute reservieren die Sitze nicht, obwohl das ihr Job ist und andere Leute (aka ich) müssen ein bisschen dreist werden um sich durchzuschlängeln.

Irgendwie haben wir es dann zu meiner Gastfamilie geschafft und uns erst mal mit einem Frühstück belohnt. Die nächste Herausforderung lauerte jedoch schon um die Ecke, da die Suche nach der Botschaft sich als extrem kompliziert herausstellte. Für den 20 Minuten Weg und die 15 Minuten, die wir effektiv in der Botschaft verbracht haben saßen wir gute 50 Minuten im Taxi. Selbst direkt vor dem Gebäudeeingang wusste offenbar niemand wo sich diese Deutsche Botschaft befinden sollte. Nach der Klärung der Visaangelegenheiten haben wir den Nachmittag/ Abend im Centro de Lima verbracht, den Plaza de Armas, Plaza San Martin, la Casa de la Literatura und die Kathedrale gesehen.dsc_4249dsc_4248dsc_4281

Am nächsten Tag hatten wir eine Stadtbusfahrt geplant aber es kam alles anders. Wir haben meinen Freund Luis (ich habe ihn 3 Jahre nicht gesehen) im Starbucks getroffen und gemeinsam die Preise für eine Stadttour für zu hoch befunden. Also ging es erst zu Fuß durch Miraflores (Parque del Amor, Parque Kennedy und Larcomar) und dann nochmal ins Centro um die Katakomben zu sehen und dort eine Busfahrt zum Cerro San Cristobal (Berg mit einem Kreuz und einer einzigartigen Sicht auf Lima, sofern es mal nicht wolkenverhangen ist) zu machen. Die Busfahrt hat mir ganz neue einzigartige Flecken Limas (und potenzielle Lieblingsplätze) gezeigt und war mit dem steilen Aufstieg und den schmalen Straßen wahrlich ein Erlebnis. Auch wenn ich auf das zusätzliche Adrenalin beim Blick in den Abgrund hätte verzichten können 😉dsc_4352dsc_4428

Meine Gastfamilie hat uns dann abends noch zu einem gemeinsamen Familienessen eingeladen und so durften wir das ‚beste Chifa‘ Perus genießen. Leider hatte ich mir über den Tag irgendwas Magen-Darmmäßiges eingfangen, sodass es mir leider nicht besonders gut ging.

Am Samstag stand dann noch die Ausgrabungsstätte ‚Pachacamac‘ bei Lurin auf dem Plan. Seltsamerweise hatten wir eine Führung auf Deutsch, die unverhältnismäßig viel Wissen über Pflanzen vermittelte anstatt Wissen über die Ruinen aber ich beschwere mich nicht 🙂 Im schönen Abendlicht und später mit artifizieller Beleuchtung durften wir dann noch das Künstlerviertel Barranco und die schöne Strandpromenade genießen und waren mal wieder viel zu spät zuhause.dsc_4456img_8029

Das war jedoch nicht weiter schlimm: Sonntag konnten wir ausschlafen, da es der Rückreisetag war und wir keine weiteren Pläne hatten. So schnell war unser kleiner Ausflug nach Lima dann leider auch schon wieder vorbei und ich freue mich bereits darauf, im Dezember mit besseren Temperaturen vorbeizuschauen. Es ist durchaus seltsam gewesen in der Stadt, die für mich ein zweites Zuhause ist, als Tourist neu anzufangen. Besonders die Sehenswürdigkeiten zu sehen, die ich bereits 2013 kannte, war eine schöne Erinnerung an meinen Austausch.

liebe Grüße aus Peru xxx

Wenn nicht ich für mich einstehe, wer dann?

-Erich Fromm

 

Englisch summary:

Sophia, Fabian, Lara and me spend the last days of October in Lima in order to get our work visas and to have a few days off to get to know the city. But I have never had a single trip in Peru without at least a little bit of trouble. This one started with our missing tickets for the bus back to Piura and an already uncomfortable bus ride, it continued with our struggle to find the embassy but fortunately we found it in the end. After handing in our visa documents we decided it would be best to have a look at Centro de Lima, Plaza de Armas, Plaza San Martin, Casa de la Literatura and the Cathedral. The next day we tried to do a city bus tour but the prices were insanely high so we just did Miraflores (Parque Kennedy, Parque del Amor, Larcomar) walking and then went to Centro again to see the Catacombs and to finally do a bus tour (to Cerro San Cristobal which guarantees you an amazing view over all of Lima). We went to have dinner with my family that night but unfortunately I got really sick and did not enjoy it as much. On Saturday we went to visit the archaeological site ‚Pachacamac‘ and had a tour guide teaching us about the different pre columbian cultures and their temples. At night we went to Barranco to enojy the view of its picturesque buildings and the incredible atmosphere created by different artists, poets and bands. We already had to say Good bye the next day but we sure enjoyed our stay in Lima.

Erfahrungsbericht Oktober

So, nach den ersten zwei Monaten hier im Projekt mussten wir jetzt alle einen Erfahrungsbericht schreiben. Im grundegenommen ist das also eine Zusammenfassung von Dingen, ich schon hier geschrieben habe. Es kommen aber auch andere Themen vor, deshalb dachte ich mir, poste ich das einfach mal:

Die Zeit hier fliegt und die ersten zwei Monate sind viel zu schnell vorbei gegangen. Ob das an unserer Arbeitsroutine liegt oder an dem lebendigen, etwas hektischen Ort selbst? Jedenfalls sind es 2 Monate voller Erfahrungen gewesen, über die ich jetzt berichten möchte. In meinen Job als Englischlehrerin habe ich mich gut eingefunden, auch wenn es Zeit gekostet hat, sich auf der anderen Seite des Pults wohlzufühlen. Dabei brauchte ich nicht nur die erwartete Geduld mit den Kindern, sondern musste auch besonders geduldig mit mir selbst sein. In manchen Situationen ist man einfach im wahrsten Sinne sprachlos, weil einem die Wörter auf Spanisch fehlen und nicht jede 1,5 Stunden Englischunterricht laufen perfekt ab. Schon gar nicht in den viel zu großen Klassen, die wir teilweise unterrichten. Hier zahlt es sich definitiv aus, dass wir zu viert unterrichten und man immer mal das Wort abgeben kann. Aber auch hier haben wir mittlerweile den Dreh raus und improvisierte Arbeitsblätter und Spiele kommen immer weniger zum Einsatz. Außerdem verzeihen die Kinder einem auch mal eine etwas langweiligere Englischstunde. Ich muss jedoch gestehen: es wird schwierige Momente geben, manchmal stehen auch wir völlig verzweifelt vor 35 Schülern und bekommen einfach keine Ordnung zustande oder keinen ansatzweise spanischklingenden Satz raus. Auch die „Erziehungsstile“ und Unterrichtsmethoden unter uns Freiwilligen unterscheiden sich sehr, sodass es auch hier ab und an zu unvermeidlichen Unstimmigkeiten kommt. Ein wenig ernüchtert bin ich von dem sehr geringen Interesse der Kinder an unserem Englischunterricht, nur sehr wenige sind konsequent dabei und lernen tatsächlich etwas. Insgesamt geben sich die Schüler aber viel Mühe und machen trotz kleiner Missverständnisse das Beste aus unseren Ansagen und Aufgaben. Wenn jedoch jemand außerhalb des Unterrichts auf uns zukommt und die zuletzt gelernten Englischen Worte und Sätze aufsagt, sehen wir, dass hinter der fehlenden Teilnahme im Unterricht vielleicht auch nur Unsicherheit und Schüchternheit stecken. Das ist einer der bestätigenden Momente und man weiß, man hat doch etwas richtig gemacht. Ich muss mich selbst auch immer wieder dazu anhalten, eine gewisse Nachsicht an den Tag zu legen, wir sind schließlich erst seit 2 Monaten in Piura und mit nur 1,5 Stunden Englischunterricht haben die Kinder schon viel gelernt. Die Arbeit in der Bibliothek bringt etwas Abwechslung und wir lernen die Kinder und die sozialen Brennpunkte des Dorfes Altos de los More besser und auf eine andere Art kennen. Wenn die Kinder hier spielen, lesen und malen vergessen sie das alles um sich herum und haben die Möglichkeit einfach Kinder zu sein. Wenn sie die Bibliothek dann am Ende des Tages gar nicht mehr verlassen wollen und wir Freiwilligen selbst nass geschwitzt sind, dann hatten wir auf jeden Fall einen erfolgreichen Tag.

In Piura haben wir uns sehr gut eingelebt und kennen uns gut aus, ich fühle mich auch in unserer Gastfamilie sehr willkommen und wie zuhause. Glücklicherweise hat jeder von uns sein eigenes Zimmer, wir verbringen aber sowieso fast die ganze Zeit zusammen, ob wir kochen oder ins Fitnessstudio gehen. An sich ist Piura keine große Stadt (420.000 Einwohner), dafür ist sie jedoch umso lauter und lebendiger. An jeder Ecke hört man Musik, trifft jemand entfernt Bekanntes oder wird wie ich fast Opfer des verrückten und ungeordneten Verkehrs. Wir haben hier schon viele Leute kennengelernt, sodass wir nun mehr oder weniger einen Freundeskreis aufgebaut haben und von Tag zu Tag flüssiger Spanisch sprechen. Außerdem gehen wir gerne zusammen an den circa 1 Stunde entfernten Strand, der einen spektakulären Sonnenuntergang zu bieten hat. Insgesamt reisen wir hier sehr günstig mit Bussen und sehen somit umso mehr von diesem wunderschönen und vielschichtigen Land. Über die kommenden Feiertage wollen wir der Hauptstadt Lima einen Besuch abstatten und mehr von Peru kennenlernen.

Das peruanische Essen ist wie erwartet umwerfend lecker und für unseren Gaumen exotisch. Während meines Austauschjahrs in Lima habe ich viel europäisches Essen gegessen, weil meine Gastfamilien das bevorzugt haben. Jetzt tauche ich erst so richtig in die peruanische Küche und ihre Spezialitäten ein. Da ich jedoch kein Fleisch (Huhn, Schwein, Rind etc.) esse, ist meine Ernährung hier sehr Fisch und Meeresfrüchte lastig, weil es hier kaum Fleischersatz oder Gerichte ohne tierische Produkte gibt. Auch das Bestellen ist für mich immer ein kleines Abenteuer: entweder mein Essen kommt doch mit Fleisch, es kommt nur eine mickrige Hälfte weil das Fleisch weggelassen wurde… oder es kommt einfach gar nicht. Also muss ich mir noch ein paar Sätze zurechtlegen, wie ich am effektivsten erkläre, dass ich ein vegetarisches Gericht möchte. Da wir aber auch viel zusammen kochen kann ich viel abwechseln und mich selbst darum kümmern, dass kein Fleisch auf meinem Teller landet.

Meine 2-Monats-Bilanz zeigt also, dass ich diese Reise zu keinem Zeitpunkt bereue und mit der Zeit alles immer flüssiger wird. Ich habe noch viel über unser Projekt und unsere Möglichkeiten zu lernen. Bisher ist das ein wenig zu kurz gekommen, sodass ich mich frage: Ich verändere mich – doch verändere ich?

Die kommenden Monate werden darauf hoffentlich eine Antwort geben.

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Weitere Erfahrungsberichte könnt ihr unter  http://www.welt-sicht.org/index.php/de/erfahrungsberichte/erfahrungsberichte.html  finden.